Parkinson Syndrome und die Parkinson Krankheit

Man unterscheidet die  „typische“  idiopathische Parkinson'sche Krankheit, im medizinischen Jargon auch Morbus Parkinson oder Parkinson'sche Krankheit genannt, von der Gruppe der symptomatischen
und  atypischen  Parkinson-Syndrome  (PS).  Das  Adjektiv  idiopathisch  bedeutet,  dass  den  Medizinern die Ursache der Parkinson Krankheit unbekannt ist.
Zu den  Parkinson  Syndromen  gehören  motorische und  nicht-motorische  Störungsbilder,  die  sowohl  beim  idiopathischen  Parkinson  Syndrom  (IPS),  wie auch in der Gruppe der symptomatischen und atypischen Parkinson Syndrome vorkommen.
Etwa 65 bis 70 Prozent aller Parkinson Syndrome sind auf einen  Morbus Parkinson zurückzuführen.

Das idiopathische Parkinson  Syndrom  (IPS) stellt also  die  häufigste Ursache aller  Parkinson Syndrome dar. Das IPS ist gekennzeichnet durch den Untergang von Nervenzellen in bestimmten,  vorgegebenen  Regionen des Gehirns. Mediziner sprechen dann von einer neuro-degenerativen Systemerkrankung. Das Zugrundegehen betroffener Nervenzellen in der zum Hirnstamm gehörenden Hirnregion, der schwarzen Substanz des Gehirns, der Substantia nigra, kann auch durch eine Ultraschalluntersuchung des Hirnstammes erkannt werden. Durch verschiedene Begleitsymptome macht ein IPS schon weit vorher auf sich aufmerksam.

Frühe Symptome des idiopathischen Parkinson  Syndrom  (IPS)

Heute weiß man, dass Riechstörungen und eine Verstopfung bereits im  Frühstadium des IPS, noch  vor Einsetzen  der  motorischen  Parkinson  Symptome, auftreten  können.  Dazu  kommen  als  Frühsymptome Schlafstörungen, die vor allem in der wichtigen REM-Phase  des  Schlafes  auftreten.  Die  Patienten schlafen  nicht  nur unruhig, sondern können  auch unkontrolliert um sich schlagen.  Etwa 72 Prozent der Betroffenen fallen sogar regelmäßig aus dem Bett. Die Krankheit macht  also  schon früh durch nichtmotorische Störungen auf sich aufmerksam und nicht erst dann, wenn der Zelluntergang in der Substantia nigra angekommen ist.
Kommen dann noch Riechstörungen, häufige Verstopfung und eventuell eine  Depression  hinzu gepaart  mit  nachfolgenden  Bewegungsstörungen, können das erste Anzeichen für eine Erkrankung an Morbus Parkinson im frühen Stadium sein.

Motorische Störungen

Die zu Beginn der Parkinson Krankheit auftretendenmotorischen Störungen treten immer einseitig auf. Wenn zum Beispiel beim Gehen nur ein Arm des Patienten  mitschwingt  oder  ein  einseitiges  Zittern  in Ruhe, ein sogenannter Ruhetremor  eintritt, deuten diese  Krankheitszeichen  in  Richtung  eines  Morbus  Parkinson. Auch ist ein IPS zu Beginn der Krankheit nie  mit  einem  Haltezittern  verbunden.  Zu  den  motorischen  Symptomen  des  IPS  gehören  „Rigor“  (= Erhöhung  der  Muskelspannung),  „Akinese“  (=  Verlangsamung der Bewegungen) und „Ruhetremor“ (= Zittern  nur  im  Ruhezustand,  nicht  z.  B.  bei  Halte- und/oder  Zielbewegungen).  Für  eine  sichere  Diagnose des Morbus Parkinson ist die Feststellung von mindestens  zwei  dieser  Störungsbilder  notwendig.  
Das wird  vom  Neurologen  durch  Beobachtung  und  die  differenzierte  neurologisch-körperliche  Untersuchung festgestellt. Der Arzt erfragt aber auch die Krankengeschichte  des  Patienten  und  informiert sich über die Beobachtungen der Angehörigen.

Fünf Stadien in der Parkinson-Entwicklung

Die  Entwicklung  des  Morbus  Parkinson  lässt  sich grob in fünf Stadien einteilen:
Stadium 1: strenge  Einseitigkeit  der  Bewegungsstörung. Das erste Stadium dauert im Durchschnitt zwei bis drei Jahre
Stadium 2: motorische  Störungen  sind  zusätzlich auf die andere Körperseite übergegangen.
Stadium 3: Einschränkungen der Stand- und Haltereflexe,  die  zumeist  nach  fünf  bis  sechsjährigem Krankheitsverlauf einsetzen.
Stadium  4: die  Patienten  sind  zunehmend  auf fremde Hilfe angewiesen.
Stadium 5: dauerhafte Bettlägerigkeit.

L-Dopa-Test

Ein weiterer Nachweis des  Morbus Parkinson lässt sich mit einem sogenannten L-Dopa-Test  führen.  Dopamin ist ein Botenstoff, der die  Nachrichtenübertragung  der Nervenzellen ermöglicht. Fehlt dieser  Botenstoff, kommt es zu den geschilderten motorischen und nicht-motorischen Störungen der Parkinson Krankheit. Verschwinden  nach  einer L-Dopa-Medikation gut 60 bis 80  Prozent der Symptome, handelt es sich bei der Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Morbus Parkinson.
Nach positivem L-Dopa Test und anschließender Einleitung  einer  medikamentösen  Parkinson  Therapie verspüren viele Parkinson-Patienten eine deutliche Besserung des Allgemeinzustands und viele erleben eine geradezu euphorische Phase. In der medizinischen Literatur wird dieses  Stimmungshoch mit der vielsagenden Umschreibung einer therapiebedingten „Honeymoon-Phase“   umschrieben, denn viele Patienten fühlen sich zu Beginn der Therapie manchmal so glücklich wie in den Flitterwochen. Morbus Parkinson ist eine Erkrankung mit vielen „Gesichtern“. Neben Medikamenten und verschiedenen Therapien hilft vor allem das Verständnis für den Partner, der sich in und mit der Krankheit verändern kann. Parkinson ist nicht ansteckend – und ein zärtlicher Kuss wirkt manchmal schon Wunder.

Parkinsonähnliche Symptome

Verschwinden die Symptome mit L-Dopa allerdings nicht, müssen andere Ursachen für die parkinsonähnlichen  Störungen  in  Betracht  gezogen  werden.  Infrage kommen hier   Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel Psychopharmaka oder Magenmedikamente, die  häufig kaum kritisch hinterfragt über Jahre eingenommen werden. Was wie ein Morbus Parkinson  aussieht,  kann  meist  schon durch eine Änderung der Medikation verschwinden.  
Auch eine höhergradige Durchblutungsstörung des Gehirns kann für das Auftreten von parkinsonähnlichen Symptomen verantwortlich sein. Liegen diese anderen Grunderkrankungen  vor,  läuft ein L-Dopa-Test zuverlässig ins Leere, so dass der Patient wahrscheinlich  keinen  Morbus  Parkin-
son hat.

Vererbung von Morbus Parkinson

Mittlerweile sind über 15 Gene  bekannt, die für eine vererbte Parkinsonerkrankung verantwortlich sind.
Normalerweise beobachten die Mediziner die ersten Symptome  bei  Parkinson  Patienten  zwischen  dem  50. bis 65. Lebensjahr. Wird die Krankheit vererbt, was  sehr  selten  vorkommt  (bei  knapp  7-10  Prozent  aller  IPS),  erkranken  die  Patienten  oft  früher,  manchmal  schon  ab  dem  40.  Lebensjahr oder noch früher und leiden unter einem vergleichsweise heftigen Verlauf.
Gespräche mit Patienten und Angehörigen.

Kommen  Patienten  mit  einer  Überweisung  zur  Sicherung  eines  Parkinson-Anfangsverdachts  in  die  Neurologische  Klinik  Sorpesee,  wird nach einer umfangreichen  Anamnese schnell festgelegt,  welche  Maßnahmen  in  der  gegenwärtigen  Situation  für  die  Patienten  geeignet  sind und welche Therapien eingeleitet werden müssen.

Morbus  Parkinson gilt nach wie vor als unheilbar. Aber: Wenn früh mit einer gezielten Therapie begonnen wird, kann die  Lebensqualität  über  lange  Zeit  erhalten werden.Unsere Klinik hat zwei Vorteile – wir sind groß genug für einen jederzeit professionellen Akutbetrieb und gleichzeitig klein genug, um jeden Patienten individuell zu betrachten und in seiner Erkrankung ganzheitlich zu begleiten.

(Aus: im mittelpunkt 02_2016)